Relevant ist, was MIR die gewünschten Informationen liefert

April 9th, 2008 von Susann

Eigentlich hatte ich nie vor, mich großartig mit der “Qualitätsdebatte” auseinanderzusetzen - und vor allem nicht hier. Eigentlich dachte ich, dass man darüber auch gar nicht mehr reden muss, dass es nicht mehr nötig ist, dass sich das von selbst regelt - mit der Zeit. Und ich hätte Johnny Häusler bei seiner Abschlussrede der re:publica ohne weiteres zugestimmt: Wir sind durch mit dem Thema.

Doch dann gibt es wieder Gespräche, die mir vor Augen führen, dass das Wesentliche bei den meisten eben noch nicht angekommen ist. Und damit meine ich nicht die, die noch gar nicht wissen, was ein Blog ist. Im Gegenteil. Ich meine die, die sich eigentlich recht gut auskennen, die sogar hin und wieder Blogs lesen - aber felsenfest davon überzeugt sind, dass sich dieses Medium nicht halten wird. Dass Blogs im Grunde schon längst wieder out sind.

Denn heutzutage gehe es um Relevanz. Und relevante Medien hätten kein Blog. Ein Armutszeugnis für die deutsche Bloggerszene sei außerdem, dass Blogger wie R.Basic bei Themen wie Yahoo-Übernahme usw. auch keine Ahnung hätten und nur die ‘relevanten’ Medien (SpiegelOnline bspw.) verlinken können, da ihnen selbst die Insiderinformationen fehlen. Und überhaupt: Quantität allein sei eben nicht alles. Hier geht es also nicht mehr um Qualität, sondern um Relevanz (Nennen wir es die “Relevanzdebatte”)

Und woran zeigt sich Relevanz? An den PIs - das zumindest meint mein - dieser eine - Gesprächspartner (der schon wissen wird, dass er gemeint ist). Und folgendes ist speziell an ihn gerichtet:

1. Wie auch, wenn ich mich recht entsinne, in der Qualitätsdebatte auf der re:publica bereits gesagt wurde: Online-Formate wie Spiegel.de usw. wären bei weitem nicht so erfolgreich, wenn nicht bereits ein bekanntes Print-Magazin dahinter stehen würde. Die Masse richtet sich nach dem, was sie kennt. Das heißt aber nicht, dass alle Inhalte selbst für jeden relevant sind. Siehe Bild - ich würde annehmen, dass hier kaum jemand von Relevanz oder Qualität sprechen würde. Dennoch handelt es sich um die meistgelesene Tageszeitung.

2. Blogs sind spezialisiert auf einen Themenbereich. Und ich lese genau das Blog, welches die Inhalte bietet, die mich interessieren. Wenn das nun nicht relevant (insb. FÜR MICH) ist, was dann? Zu Spiegel kann ich gehen, wenn ich mal nen schnellen Überblick über aktuelles Geschehen benötige. Wenn ich was zum Thema IT wissen will, werde ich mir aber auch nicht die Rubrik Netzwelt bei Spiegel ansehen, denn das was ich da finde, habe ich in den meisten Fällen schon Tage (manchmal Wochen) vorher in irgendeinem Blog gelesen. Und hier hilft auch kein Abstreiten.

“Zwischenabstecher” dazu: Es ist ja kein Geheimnis, dass wir, das Rankaholics-Team, aus einer Online-Redaktion (mittlerweile Agentur) kommen. Bei uns läuft das am Morgen folgendermaßen ab: Es werden alle neuen “relevanten” Medien gescannt (Zeitschrichten/Zeitungen - also Printformate und diverse Online-Ableger usw.). In einem Redaktionsmeeting werden die “relevanten” Themen angesprochen. Und ich kann hier wirklich ganz ehrlich sagen: Wenn mal etwas zu dem Thema Internet/Startups/IT etc. gesagt wird, dann kenn ich das in den meisten Fällen schon, weil ich es bereits in irgendeinem Blog gelesen habe!! Das ist einfach Tatsache!

3. Zum Argument “Ob MyMuesli jetzt dieses oder jenes tut interessiert sonst keine Sau”: Möglich. Aber die, die es interessiert, erfahren es aus Blogs - und dann ist ein Blog eben doch relevanter als Spiegel o.ä. Es kommt auf die Zielgruppe an! Die entscheidet, was relevant ist. Und das Argument, dass sich Relevanz an den PIs zeigt, hinkt. Ja, eine bestimmte Masse landet bei Spiegel - aber das hat noch nichts mit Relevanz zu tun - Stichwort “Long Tail”. Es gibt zig Blogs, die nur für eine kleine Zielgruppe interessant und relevant sind - Blogs zum Thema Gärtnerei, Kochen etc. Das könnte man bis ins kleinste Detail ausweiten. Und sicher sind die PIs da im einzelnen nicht so hoch - weil hier gar nicht der Anspruch vorhanden ist, die Masse anzusprechen. Sondern eben nur die eine Zielgruppe.

Das trifft übrigens auch auf alle weiteren Online-Formate zu, die nicht aus dem Print-Bereich kommen, und die sich einzig auf ein spezielles Thema konzentrieren. Nicht jedes Thema ist für jeden relevant, so einfach.

Ich kann und will hier nicht alle Blogs oder Online-Magazine und -Tageszeitungen über einen Haufen werfen. Jedes Medium hat für sich seine Vorteile. Aber zu sagen “Blogs haben keine Zugriffszahlen, Blogs sind nicht relevant” ist absolut absurd und entbehrt jeder Logik. Zu klären wäre im Grunde die Definition des Begriffes Relevanz. Aber das würde jetzt zu weit führen. Auf jeden Fall lässt sich Relevanz nicht an den PIs bei Einzelnen festlegen.

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